Das erste Taxi-Unternehmen Deutschlands
Der erste Motorwagen wurde 1886 von Carl Benz entwickelt und bereits kurze Zeit später begann sich auch Friedrich Lutzmann dafür zu interessieren.
Er wendete sich entsprechend 1893 dem Automobilbau zu, nachdem er am 28. April des Jahres den ersten Motorwagen in Dessau gesehen hatte.
Dabei handelte es sich um das Fahrzeug des Industriellen Fritz Kühne, einen viersitzigen Benz Victoria Vis-a-vis, mit dem dieser von Leipzig nach Dessau kam.
Lutzmann und sein Freund Fritz Koch erfuhren davon in der Zeitung und begutachteten das Fahrzeug. Sie unterhielten sich mit Kühne, der aus Begeisterung für die Motorwagen neben seinen Zentralheizungsbau-Unternehmen auch die Vertretung der Benz-Fahrzeuge übernommen hatte. Lutzmann beschloss nach eigenen Worten an diesem Abend, selber Motorwagen zu bauen.
Er bestellte sich über Kühne einen eigenen Benz Victoria Vis-a-vis bei der Firma Benz & Co in Mannheim, den er nach viermonatiger Wartezeit auch erhielt und dort abholen konnte. Auf der Rückreise begleitete sie ein Werksmonteur, der nur die letzte Etappe von Leipzig bis Dessau nicht mitfuhr und nach Mannheim zurückkehrte.
Am 17. September eröffneten Fritz Koch und Lutzmann gemeinsam den „Motorwagen-Fahr-Verkehr“, der die Strecken von Dessau nach Wörlitz und nach Aken befuhr. Die Fahrtzeit betrug dabei im optimalen Fall etwa eine Stunde, in der die 15 Kilometer zurückgelegt wurden, als Fahrpreis hatten die drei Passagiere eine Mark pro Person zu zahlen.
Für die Passagiere wurde dies die erste Möglichkeit, einen Motorwagen auszuprobieren, nur im Winter ging die Nachfrage für den Transport im offenen Wagen merklich zurück.
Am 19. Januar 1894 startete das Unternehmen erneut, diesmal mit einem eigens für das Fahrzeug angefertigten Lederverdeck.
Bis zur Eröffnung der Eisenbahnstrecke am 22. September 1894 wurde der Betrieb aufrechterhalten, danach wurden Lutzmann und Koch die ersten Taxiunternehmer Deutschlands, indem sie Fahrdienste in Dessau übernahmen.
1894 wurde die Straßenbahn in Dessau eingeführt, die wesentlich billiger war, sodass sie wieder ein neues Betätigungsfeld brauchten.
Der Benz Patent-Motorwagen Victoria war der erste vierrädrige Benz. Er war eine Weiterentwicklung des Benz Patent-Motorwagen Nummer 3.
Immer noch besaß der Wagen Einzylindermotoren, die hinten im Fahrzeug liegend eingebaut wurden.
Es gab unterschiedlich starke Motoren: Die Wagen hatten Holzspeichenräder und Starrachsen mit Volleliptik-Blattfedern. Sie waren mit einem zweistufigen Flachriemengetriebe ausgestattet, das mit Ketten zu beiden Hinterrädern verbunden war.
Ab 1896 gab es auf Wunsch auch ein dreistufiges Planetengetriebe mit Rückwärtsgang. Es gab verschiedene zwei- und viersitzige Aufbauten, z.B. Victoria, Vis-á-Vis, Phaeton, Landauer (bis zu 8 Sitze) oder Landaulet. Die Verkaufspreise lagen zwischen ℳ 3800,-- und ℳ 6150,--.
| Benz |
 Benz Patent-Motorwagen Vis-a-vis (1900) |
| Patent-Motorwagen Victoria |
| Hersteller: | Benz & Co.
|
| Produktionszeitraum: | 1893-1900 |
| Klasse: | |
| Karosserieversionen: | |
| Motoren: | 1,7-2,9 l-Einzylinder, 3-6 PS (2,2-4,4 kW) |
| Länge: | 3200 mm |
| Breite: | 1650 mm |
| Höhe: | 1750 mm |
| Radstand: | 1650 mm |
| Leergewicht: | 650-780 kg |
| Vorgängermodell: | Benz Patent-Motorwagen Nummer 3 |
| Nachfolgemodell: | Benz Dos-à-Dos |
| Bauzeitraum | Hubraum | Bohrung x Hub | Leistung | bei Drehzahl |
| 1893-1896 | 1730 cm³ | 130 mm x 130 mm | 3 PS (2,2 kW) | 450 min-1 |
| 1894-1895 | 1990 cm³ | 130 mm x 150 mm | 4 PS (2,9 kW) | 500 min-1 |
| 1895-1898 | 2650 cm³ | 150 mm x 150 mm | 5 PS (3,7 kW) | 600 min-1 |
| 1898-1900 | 2915 cm³ | 150 mm x 165 mm | 6 PS (4,4 kW) | 700 min-1 |